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Bielefelder Tageblatt (MW), Mittwoch 22. Dezember 2010

Musik, Lesung und Lyrik
„Wir warten aufs Christkind“ im Zweischlingen

Quelle (het). Während es im nur zehn Kilometer entfernten Halle mit Atze Schröder recht deftig zur Sache ging, gab es am Wochenende im Queller Zweischlingen eher beschaulichere Töne. „Das ist unser kulturelles Weihnachtsfest ohne Tannenbaum“, so die Veranstalter. Es war ein Versuch, verschiedene Künstler zusammen zubringen. Vielleicht sogar ein mutiger, am Ende aber ein erfolgreicher allemal. Während  Stefanie Schröder und Helmuth Opitz selbstgeschriebene Geschichten und Gedichte vortrugen, sorgte das Trio „MOFI Radio“ für den musikalischen Part.

Ein bunter Abend mit Musik, Lesung und Lyrik. 60 Zuschauer – deutlich mehr als der Bielefelder Lyriker Helmuth Opitz erwartet hatte – lauschten gespannt seinen Worten, Gedichten und Kurzgeschichten. Gleich ob es das „Gedicht mit Schnitt“, das „Erdbeermädchen“ oder „Powerpoint-Karaoke“ war. Helmuth Opitz Gedichte sind kurz, knapp, humorvoll, geschickt mit kleinen Wortspielen und daraus resultierenden Sekunden der Verzögerung und des Verarbeitens dargereicht. Fast wie zufällig gibts obendrein noch eine ordentliche Portion feiner Erotik.

Stefanie Schröder beginnt ihre anschließende Geschichte um den täglichen Wahnsinn des Körperkults und das Erreichen des persönlichen Wunschgewichts dann auch mit großem Respekt vor den lyrischen Ergüssen ihres Kollegen Helmuth Opitz. Die Wahlbielefelderin muss sich aber nicht verstecken. Ihr aufs Köstlichste beschriebener Kampf gegen vermeintliches Übergewicht und der nimmermüde, eigene Hunger, fesselt das amüsierte Publikum.

Musikalisch hervorragend abgerundet wurde das „kulturelle Weihnachtsfest“ durch das Bielefelder Musik-Trio „MOFI Radio“. Entspannt, gut gelaunt und lässig, tolle Coverversion von „Guten Morgen Berlin“.


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Bielefelder Tageblatt (MW), Samstag 17. Juli 2010

Lachen befreit
Komische Alltagsgeschichten von Stefanie Schröder in der „Kava“

VON ANTJE DOSSMANN

Bielefeld. Wer einen geübten Blick dafür hat, kann den Aberwitz des Daseins an jeder Ecke beobachten. Was jedoch nicht davor bewahrt, gelegentlich selbst zum Spielball des Alltagsirrsinns zu werden.

Gerade noch lief alles ganz ruhig und geordnet, doch dann verstellt irgendwer irgendwo aus irgendwelchen Gründen eine winzige Schraube im Getriebe, und ehe er sich versieht, findet sich auch der vernünftigste Mensch in den heikelsten Situationen wieder. Wohl dem, der wie die Bielefelder Kabarettistin Stefanie Schröder, die vielen von der legendären Lesebühne „Sitzen 73“ bekannt ist, über die Gabe der (Selbst-)Ironie verfügt und sich über die eigene oder anderen widerfahrene Unbill intelligent lustig machen kann.

Wovon Stefanie Schröder in dieser zweiten von ihr initiierten Comedy-Veranstaltung in der „Kava“ mit komischer Verzweiflung erzählte, fand großen Anklang beim Publikum, das sich mühelos in ihren Alltagsgeschichten wiederfand. Ähnliches hatte man ja selbst schon erlebt. Dass man sich zum Beispiel zu einer wochenlangen „Alles muss weg-Diät“ aufrafft, und der einzige, dem am Ende wirklich die Hose schlackert, der halbwüchsige Sohn ist.

Während das Spiegelbild beim eigenen Körper lange Zeit vage Veränderungen höchstens bei den Schneidezähnen erkennen lässt, die durch das Dauermümmeln von Karotten mit der Zeit immer hasenähnlicher zu werden scheinen. Oder dass man in Sekundenschnelle zu einem rücksichtslosen Schnäppchenjäger mutiert, wenn man beim Discounter schon mal einen guten Startplatz in der morgendlichen Warteschlange ergattert hat, um wenig später mit einem Haufen fragwürdiger Gebrauchsgegenstände den Laden zu verlassen, deren vermeintlich dringenden Bedarf man sich dann auf dem Heimweg begeistert selbst suggeriert.

Neben diesen pointierten Genreszenen des 21. Jahrhunderts aus dem Leben einer alleinerziehenden Mutter gab die aus dem Ruhrgebiet stammende und seit 27 Jahren freiwillig hier lebende Stefanie Schröder liebevoll-lakonische Bielefeld-Gedichte zum Besten und zitierte darüber hinaus ein paar aufgeschnappte Fußball-Dialoge, die so realsatirisch waren, dass sie gar keiner Bearbeitung mehr bedurften. Auch führte sie anhand ihrer frischverliebten Freundin Claudi mit ziemlich ätzendem Humor vor Augen, warum die „rosa Wolke“, auf der die Freundin schwebt, für sie eine einzige Zumutung ist. Ihre beste Geschichte allerdings handelte von einem wahren Urlaubserlebnis. Mit all ihrem verspielten Sprachwitz und Sinn fürs Absurde erzählte Schröder, wie eine gnadenlos lächelnde Norwegerin sie einmal wegen eines Kanus auf dem Autodach nicht auf die gebuchte Fähre lassen wollte. Und natürlich musste sie auch diese Chose am Ende alleine lösen, fühlten sich ihre beiden Söhne („der Pubertist und sein Sympathisant“) auf der Autorückbank durch den Zwischenfall doch einfach nur in ihrer Ruhe gestört.
So ist das Leben manchmal. Im Nachhinein lustig.